„Ich will viel tun und probieren“
Heusweilers neuer Bürgermeister Thomas Redelberger beginnt mit der Arbeit – und will weiter Theater spielen
Thomas Redelberger (CDU) wird Heusweilers neuer Bürgermeister. Am Montag, 29. November, 18.30 Uhr, ist Amtseinführung in der Kulturhalle. Im Interview mit SZ-Redakteur Peter Wagner kündigte er an, mehr Bürgernähe in der Verwaltung zuzulassen. Wirtschaftsförderung und Bevölkerungszuzug sollen ab sofort Chefsache werden.
Sagen Sie mal, Herr Redelberger, was war eigentlich die am häufigsten gestellte Frage an Sie in den letzten Monaten?
Thomas Redelberger: Wann geht’s denn los?
Antwort?
Redelberger: 1. Dezember, ein Mittwoch. Und womit?
Redelberger: Am liebsten mit einer Mitarbeiterrunde, bei der ich mich vorstelle.
Was erwartet die Bedienstete, wie ist Ihr Führungsstil?
Redelberger: Ich bin ein offener Mensch und suche immer das Gespräch, den direkten Kontakt. Wichtig wird sein, dass Aufgaben klar verteilt sind und erledigt werden. Ein Bürgermeister muss wissen, wie seine Verwaltung läuft und dass sie läuft. Es muss funktionieren. Dafür braucht man keine Peitsche auszupacken.
Führungserfahrung haben Sie ja keine, oder?
Redelberger: Bisher nein. Immerhin hatte ich in meiner beruflichen Laufbahn als Bewährungshelfer viele Kontakte zum öffentlichen Dienst. Er ist mir nicht unbekannt.
Was haben Sie zu bieten?
Redelberger: Ich verspüre Tatendrang und habe Ideen. Als gelernter Kfz-Mechaniker bin ich mit der Erkenntnis gut gefahren, dass es immer und für alles eine Lösung gibt.
Werden Sie weiter als Laienspieler auf der Theaterbühne stehen?
Redelberger: Ich will es versuchen. Würde ich es lassen, könnte man behaupten: Er hat es nicht mehr nötig. Ich werde von Vielen in der Ansicht bestärkt, dass es sich mit der Position verträgt. Mal sehen.
Was haben die Bürger vom neuen Bürgermeister zu erwarten?
Redelberger: Ich hatte mehr Bürgernähe versprochen; die soll es auch geben. Ich versuche alle Einladungen wahrzunehmen und auch dort hinzugehen, wo man den Bürgermeister vielleicht nicht erwartet. Zu vielen Terminen nehme ich Partnerin und Sohn mit, wir lieben es alle drei, unter die Leute zu gehen.
Mit zu viel Bürgernähe kann man sich auch verzetteln, oder?
Redelberger: Die Gefahr besteht, ist aber durch gute Organisation zu mildern. Aber andererseits sagen die Bürger ja zurecht: Ich habe einen Bürgermeister, damit ich ihm alles antragen kann, was mir wichtig ist.
Gibt es typische Redelberger-Themen?
Redelberger: Wirtschaftsförderung und Bevölkerungsstruktur. Der Kampf um Einwohner wird härter. Überall höre ich: Da und dort steht jedes dritte Haus leer. Ich rühre die Trommel für Zuzug. Es muss attraktiv sein, in Heusweiler zu wohnen.
Was spricht für Heusweiler?
Redelberger: Die Lage im Grünen und doch im Zentrum des Saarlandes, direkt am Fernstraßennetz, ein riesiges Vereinsangebot, Schulen in hervorragendem Zustand.
Wie ist Ihre Einstellung zur Politik, sind Sie ein typischer CDU-Bürgermeister mit typischen CDU-Themen?
Redelberger: Ich verstehe mich mit den Kommunalpolitikern aller Parteien gut und möchte mich mit ihnen monatlich treffen, um Dinge offen zu besprechen und in Bewegung zu bringen. Um parteiübergreifende Zusammenarbeit kommen wir nicht herum, gerade in Zeiten der finanziellen Krise. Auch die Zusammenarbeit mit Nachbarkommunen, auch mit Eppelborn, Illingen, Lebach oder Saarwellingen, kann man sich enger vorstellen.
Kommt die Zeit des harten Sparens und des Verzichts?
Redelberger: Ich bin von Haus aus sparsam und mag es nicht, mit Schulden zu leben. Als Bürgermeister empfinde ich ähnlich. Man muss den Bürgern sagen, dass lieb gewordene Dinge nicht mehr gehen, wenn es hart auf hart kommt und ihnen die Zusammenhänge erklären. Dann haben sie auch Verständnis. Gegen den Rat vieler Vertrauter habe ich es ja auch im Wahlkampf als Einziger gewagt, das Ende unseres Schwimmbades zu vertreten.
War diese Offenheit vielleicht sogar wahlentscheidend?
Redelberger: Sie hat sicher nicht geschadet. Entscheidend war wohl, dass ich wirklich an jeder Haustür geklingelt und mit 7000 Menschen gesprochen habe, teilweise zwei Stunden lang. Ich hatte ein enthusiastisches Team. Und wir hatten Glück mit dem Wetter. Ich hatte nur zweimal Regen bei den Hausbesuchen.
Wir wollen Ihre Vorfreude aufs Amt nicht trüben, aber ist wirklich auszuschließen, dass Sie sich Frust und Enttäuschungen einhandeln?
Redelberger: Da müsste aber viel passieren. Nein, nein, ich bin ein positiv denkender Mensch, der viel tun und probieren will. Ich versuche, an den Dingen zu reifen.
Saarbrücker Zeitung vom 29. November 2010, Ausgabe Köllertal, Seite C1








